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Es ist ein Kampf, oder? – RonnyDee´s Blog
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Es ist ein Kampf, oder?

Durch die Möglichkeiten die uns das Internet grundsätzlich bietet, ist mir ein Nutzen besonders aufgefallen, der aber nicht auf das Internet zurückzuführen ist, sondern auf die Entwicklung unserer Gesellschaft. Doch bevor ich darauf eingehe möchte ich kurz darstellen, wie ich die Welt noch erlebt habe, als ich jung war. Eltern waren Autoritätspersonen, Lehrer sowieso. Das wurde nie und nimmer in Frage gestellt.

Egal ob man im Streit mit den Eltern lag, oder von einem Lehrer eine schlechte Beurteilung erhielt. Man lernte daraus gewisse Erfahrungen, die einem später im Leben behilflich sein würden. Unter anderem Selbstvertrauen zu entwickeln, stets neugierig zu sein, Rückschläge einzustecken und Menschen stets mit Respekt zu behandeln.

Kurzum, wenn alles gut ging, war man mit 20 bereit für das Leben und konnte sich recht gut selbst organisieren. Wie z.B. einen Mietvertrag unterschreiben, Strom & Festnetztelefon (!) anmelden, Einkaufen gehen und mit dem Geld auskommen, dass man Monat für Monat zur Verfügung hatte. Kontakte wurden so gepflegt, dass man bereits einen Termin im Vorfeld ansetzte und dann pünktlich am vereinbarten Ort zum vereinbarten Zeitpunkt erschienen ist. Dabei wurden, sofern es sich um eine weibliche Begleitung handelte, auch gewisse Umgangsformen an den Tag gelegt, wie z.B. ein Getränk bezahlen, Ausreden lassen und aktiv zuhören, das Handy (sofern man bereits eines hatte) in der Tasche zu lassen oder auch ganz simpel eine Tür zu öffnen.



Heute, gut 15 Jahre später hat sich sehr vieles verändert.
Man ist sozusagen schnelllebiger geworden. Sagt zumindest die Gesellschaft.
Ich finde nicht, dass wir schnelllebiger geworden sind. Jeder hat das Recht sich die Zeit zu nehmen, die er möchte. Das war früher schon so und ist heute immer noch so. Wir haben 24 Stunden oder 1440 Minuten oder 86400 Sekunden am Tag Zeit um etwas zu tun. Ironischerweise verbringen wir aber unglaublich viel Zeit damit, uns über Dinge aufzuregen, so genannte Shitstorms loszutreten (aktuell über BurgerKing und Drei) und Dinge zu suchen, an denen wir weiter nörgeln können. [pullquote cite=“RonnyDee“ type=“left“]Ich finde nicht, dass wir schnelllebiger geworden sind. Jeder hat das Recht sich die Zeit zu nehmen, die er möchte.[/pullquote] Wir haben plötzlich die Angewohnheit Dinge zu fordern die auf keiner Grundlage beruhen, wie z.B. Gutschriften und Gimmicks zu fordern wenn Firmen Fehler eingestehen. Wir nehmen uns heraus, Personen die uns nicht zu Gesicht stehen zu verurteilen, Dinge mit denen wir uns nicht identifizieren können schlecht zu reden und Situationen die uns gar nicht oder minimal betreffen negativ zu bewerten. Wir haben soviel Energie dafür übrig, dass wir von einem Kopfschütteln zum nächsten hasten und dabei Wörter finden, die wir niemals jemanden ins Gesicht sagen würden.

Im Internet können wir das nun 24 Stunden oder eben 86400 Sekunden am Tag tun.
Immer wann wir möchten, lassen wir unseren eigenen Frust an Personen oder Firmen aus, die wir gar nicht genau kennen. Hauptsache gepostet und viele „Likes“ erhalten, das ist der Treibstoff der uns Tag für Tag vorantreibt. [pullquote cite=“RonnyDee“ type=“right“]Das traurige daran ist jedoch, es sind die sieben Todsünden die uns antreiben.[/pullquote] Das ist das Motto, dass wir nun in unserem Leben verfolgen. Gepaart mit Hochmut, Geiz, Wollust, Maßlosigkeit, Eifersucht & Neid und einer gehörigen Portion von Ignoranz fühlen wir uns stark. Das traurige daran ist jedoch, es sind die sieben Todsünden die uns antreiben. Für mich persönlich ist jedoch eine Eigenschaft viel schlimmer als alle Todsünden zusammen, es ist die Selbstverständlichkeit. Ich erachte sie als Wurzel allen Übels.

Die Selbstverständlichkeit hat in jedem Bereich von uns Einzug gehalten.

Es ist für uns selbstverständlich

  • jeden Morgen aufstehen zu können (wir verurteilen diese Möglichkeit sogar und wünschen uns Tag für Tag „nicht aufstehen zu müssen“)
  • etwas Essen zu können, zu jeder Zeit , egal welcher Art (ein Schlag ins Gesicht für die 842 Millionen Menschen auf dieser Welt, für die Hunger ein täglichen Begleiter geworden ist)
  • uns fortzubewegen mit unseren eigenen Füßen (Personen mit Einschränkungen und Behinderungen existieren für uns nur in einer entfernten Welt und werden als zufällige Besucher von uns wahrgenommen und auch betrachtet. Jeder Schritt der von uns selbst gemacht werden „muss“ ist eine unglaubliche Anstrengung und wird verteufelt)
  • Dinge zu erlernen die uns weiterbringen und unser Weltbild erweitern (die Schule wird als „schlimmste Zeit“ betitelt, spätere Weiterbildungen finden maximal durch Kochsendungen im TV statt)
  • Situationen zu betrachten, die Welt in Farben zu sehen
  • Musik oder Sprachen zu hören
  • in einer Welt bzw. Land ohne Krieg zu leben
  • unsere Familie und Verwandte zu besuchen (das Ableben einer nahestehenden Person existiert nicht und wird im Streit eher herbeiersehnt)
  • Dinge einzukaufen die wir möchten
  • Arbeiten zu gehen mit bezahltem Urlaub und bezahlten Krankenstand
  • usw.

 

Die Selbstverständlichkeit ist eine grausame Kreatur, die von uns Besitz ergreift, wann immer wir nicht im Jetzt leben. Denn wer sich bewusst ist, dass jeder Moment ein neuer Moment und jeder Tag ein neuer Tag ist, ohne die Möglichkeit Dinge rückgängig zu machen, stets mit der Option dass jeder Moment der letzte sein könnte… wer sich dessen bewusst ist, von dem kann diese Kreatur keinen Besitz ergreifen. Der wird erkennen, dass Geiz einen nicht länger oder besser leben lässt, dass Wollust nur bewirkt, dass man niemals zufrieden sein wird, Hochmut und Eitelkeit nur eine Illusion von uns selbst und keine positiven Eigenschaften sind, dass Eifersucht, Zorn und Neid im bewussten Moment nicht existieren können, dass Maßlosigkeit und Völlerei keiner Grundlage entbehren und für Ignoranz und Faulheit keine Zeit zur Verfügung steht.

Warum lassen wir es also zu, dass diese Dinge unsere Leben bestimmen sodass wir genervt, verärgert, frustriert und faul sind?
Weil wir es für selbstverständlich halten. Wir sagen uns, später; in der Pension; da führe ich dann das Leben dass ich immer wollte. Umso mehr schockiert es uns dann, wenn wir mit Situationen konfrontiert werden, die dieses Traumbild ankratzen. Krieg, Krankheiten, Unfälle und viele andere Sorgen und Ängste die uns insgeheim bestätigen, dass das Leben ein ewiger Kampf ist. Ein Kampf der aussichtlos erscheint, desto mehr Informationen wir über eine mögliche kürze oder beeinträchtigte Lebenszeiten erhalten.

Dann schalten wir auf Stur und verdrängen diese Tatsachen. Wir sind ja einzigartig und besser. Und wir haben es auch verdient, dass wir uns später; in der Pension; ein schönes Leben machen können. Immerhin wurde ja jahrelang das eigene Leben geopfert, wie z.B. für Expartner/innen, Kinder, Beruf und so weiter. Dinge die uns scheinbar Kraft gekostet haben. Somit haben wir es letztendlich verdient, dass wir später Ruhe, Glück und viel Geld bekommen. Sollte uns dazu etwas im Weg stehen, dann verurteilen, beschimpfen und verleugnen wir es.



Nein?
Nervt dich etwa nicht dein Job? Hast du nicht Angst vor Ärzten oder Diagnosen wenn dir dein Körper signalisiert, dass etwas nicht stimmen könnte? Schimpfst du nicht über Personen, Gesellschaften, Firmen oder gar Politiker die Dinge tun, die wir nicht nachvollziehen können oder Fehler eingestehen? Regst du dich nicht über Warteschlangen an der Kassa oder über Wartezeiten an roten Ampeln auf? Zappst du auch nicht jeden Tag durchs Fernsehprogramm mit eine Frustration über das selbige anstatt Dinge zu tun, die dir Freude bereiten?

86400 Sekunden hat dieser Tag.
Wie viele davon hast du schon genutzt um zufrieden zu sein?
Um deine Mitmenschen aufzumuntern oder zur Seite zu stehen?
Oder wie viele Leben hast du heute schon verbessert?
Wie viele Türen hast du heute schon offen gehalten?
Bei wie vielen Gesprächen hast du aktiv zugehört und dein Gegenüber ausreden lassen?
Wie oft hast du heute schon dein Handy gegenüber deinen Mitmenschen bevorzugt?

Trenne dich von der Selbstverständlichkeit!
Lebe!

PS: Und hör verdammt nochmal auf zu Nörgeln!

photo credit: Eric Constantineau – www.ericconstantineau.com via photopin cc

1 Comment
  • Silvia

    Habe deinen Post über FB gefunden. Vielen Dank dafür. Du schreibst sehr gut und sprichst mir aus der Seele. Mach weiter so. glg aus Tirol

    29. April 2014 at 20:06