O Captain! My Captain!

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Es ist bereits über ein Jahr her, als viele Menschen auf dieser Welt, einem der größten Schauspieler auf dieser Welt die letzte Ehre erwiesen und sich auf ihre Tische gestellt haben. Seit über einem Jahr ist Robin Williams tot. Selbstmord. Viele von uns wechselten kurzfristig die Perspektiven (darin bestand nämlich der Sinn dieser Geste), doch so richtig anfangen konnte kaum jemand etwas damit.

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Seit diesem Tod haben wir viel Anteilnahme verspürt.
Interviews gehört.
Tributevideos angesehen.
Filme mit ihm revue passieren lassen.

Ich glaube nicht, dass mein Lebensstil normal ist. Allerdings hängt das davon ab, was man für normal hält. Für mich ist er normal. Oder, nein, das ist er nicht, er ist völlig anormal, das ändert sich von Tag zu Tag. Aber ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der normal ist. Alle haben ihre seltsamen Marotten und Perversionen. Oder eine merkwürdige Art zu denken oder zu leben. Jeder Mensch ist anormal.Robin Williams
Doch niemand konnte verstehen, warum er sich für diesen Weg entschied. Es wurde sogar ein  unglaublicher Raum für Spekulationen (z.B. Parkinson) geschaffen. Irgendwelche Erklärungsversuche, Rekonstruktionen, Betrachtungsweisen wurden auf den Tisch gelegt um das zu verstehen, was in einem Menschen; der so viele Preise gewonnen, so vieles erreicht und geschaffen hat; vorgeht damit man diese Entscheidung trifft und seinem Leben ein Ende bereitet.

Suizid geht oft mit einer langen und schweren Depression einher.

Man bringt sich nicht um, weil man mal einen schlechten Tag hat. Man nimmt sich nicht selbst das Leben, weil man mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. Man verdrängt nicht seinen stärksten Willen; jenen zu überleben; von einer Sekunde auf die andere. Es ist ein langer Zweifel an sich selbst. An seinen Leistungen und an seinem Leben an sich, die einem dazu bringen. Die die Perspektive gänzlich verschieben und jene Dinge die andere großartig finden, stets anzuzweifeln und abzuwerten.

Als ich Anfang 2014 eine Burnout „Phase“ erlebte, erlebte ich persönlich den Höhepunkt meiner Selbstzweifel.
Jeder Mensch hat hin und wieder einmal gewisse Zweifel an sich und seine Person. An das was man so macht und erlebt hat. Dann kommt das Gefühl in einem hoch, dass man alles in Frage stellt und sich diese Meinung manifestiert, dass man sich in eine falsche Richtung entwickelt hat. Die Stimme im Kopf sagt einem jede Sekunde was man anders hätte machen sollen. Erlebtes hätte man nicht ausgekostet. Wege die man eingeschlagen hat, waren nicht die richtigen. Niemand in meinem Umfeld konnte diese Stimme übertrumpfen. Diese Stimme hatte stets bessere Argumente. Und auch viel mehr Überzeugungskraft als alles andere auf dieser Welt. Dies soll keine Anschuldigung an irgend jemanden sein. Nicht falsch verstehen.

Du bekommst nur einen kleinen Funken Verrücktheit. Verlier ihn nicht.derselbe
Doch eine Depression oder auch ein Burnout ist etwas, dass nur wenige greifen können.
Denn man kann es nicht sehen. Als Unbeteiligter sieht man keine Wunden, die man eventuell verarzten kann. Man bekommt kein Fieber, dass man messen könnte.  Eine Depression spielt sich im Kopf ab. Und der Verstand ist eine mächtige Waffe. Er kann soviel Gutes entstehen lassen. Aber leider auch so viel Böses. Und wenn dein Verstand sich gegen die eigene Person richtet, dann stehen deine Karten sehr schlecht, denn dann hast du keine Waffe mehr, die etwas dagegen tun könnte.

Natürlich gibt es Hilfe… Medikamente, Selbsthilfegruppen, Aktivitäten, Pläne um dein Leben neu zu betrachten und zu ordnen. Positive Dinge hochleben zu lassen, während man negative Dinge eben einfach nur hinnehmen sollte. Nur… hast du schon einmal versucht ein Lagerfeuer mit einem Eiswürfel zu löschen? Ungefähr so könnte man sich das vorstellen. Das Lagerfeuer, also deine negativen Gedanken, verbreitet sich rasend schnell in deinem Kopf. Jede Erinnerung die einst ohne Sorgen abgespeichert wurde, wird plötzlich in Frage gestellt. Mit einem negativen Denkmuster versehen und wieder abgespeichert. Der Eiswürfel, also positive Gedanken oder Medikamente oder was auch immer, kann gar nicht alles so schnell löschen. Zumal dieser auch verhältnismässig klein ist.

Ganz egal, was die Leute dir sagen. Worte und Ideen können die Welt verändern.derselbe
Auf was möchte ich doch hinaus?
Nun, ich fand es interessant, dass plötzlich so viele Personen darüber diskutiert haben, was eine Depression ist und was man auch dagegen tun kann. Vor allem nach dem Tod von Robin Williams war quasi ein Allheilmittel greifbar. Ein Jahr danach ist alles ruhig geworden. Betroffene gibt es nach wie vor. Eigentlich werden es auch von Tag zu Tag mehr. Die Tragödien spitzen sich sogar zu, wenn die Stimmen in deinem Kopf so laut geworden sind. Ganz egal ob es ein German Wings Pilot, ein Amokfahrer in Graz oder eine Mutter ist, die aufgrund von Schulden ihr eigenes Kind umbringt.

Und stets lese ich dann in den Kommentaren bei den jeweiligen Facebook-Artikeln dasselbe: „Die gehören auf ewig eingesperrt“, „So etwas sind keine Menschen“, „Mit denen gehört das Gleiche gemacht“ und „Die sind krank im Kopf“ – Bis auf die letzte Aussage, ist jede andere Aussage einfach nur Schrott.

Es gibt niemanden auf dieser Welt, der vor dieser Krankheit gefeit ist.
Bei manchen bricht sie aus, bei manchen eben nicht.

Wenn ein Arzt die Krankheit eines Patienten behandelt, so wird er entweder erfolgreich sein oder nicht. Wenn ein Arzt den Patienten behandelt, so wird er immer erfolgreich sein, unabhängig davon wie die Krankheit ausgeht.derselbe
Betrachtet man das Leben von Robin Williams, so kann man sehen wie sehr er dagegen ankämpfte. Und wie sehr er versuchte, noch mehr aus seinem Leben heraus zu holen. Jeden Moment kostete er aus und setze gleichzeitig noch größere Erwartungen an sich selbst. Das ist womöglich der Grund, der ihn zu dieser Tat getrieben hat. Doch den wahren Grund kannte nur er. Und das wird auch für immer so bleiben.

Vielleicht sollte sich so mancher nicht einfach nur auf den Tisch stellen… vielleicht sollte so mancher einfach nur mal genauer hin sehen und hin hören, wenn Menschen stets nach dem Besten streben und kaum mit sich zufrieden sind. Vielleicht, aber nur vielleicht, kämpft auch er/sie jeden Tag einen verzweifelten Kampf gegen sich selbst.

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Notiz am Rande: Wenn ein Artikel gefällt, dann empfehle ihn doch bitte weiter. Nichts macht mehr Spaß, wenn man sieht, dass die Arbeit auch durch Liken & Sharen ein wenig Anerkennung findet. Liken & Sharen – eine bessere kostenlose Anerkennung gibt es nicht 😉


Liken & Sharen

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