Hört auf zu flüchten und kämpft lieber – Ein offener Brief

RonnyDee Blog Posts 0 Comments

Wie so viele von euch, verfolge ich die Situation in den letzten Wochen mit kritischem Blick. Viele Geschehnisse werden dabei entweder verharmlost, andere aber auch so drastisch dargestellt, dass man nur Angst haben kann. Ich habe dabei gelernt, dass es dabei kein richtig oder falsch gibt.

Schmerzliche Dinge, die uns in der Vergangenheit wiederfahren sind, haben viel damit zu tun, wer wir heute sindWilliam Glasser

Es gibt jene Leute die die Flüchtlinge willkommen heißen. Mit offenen Armen empfangen, sich ihre Geschichten anhören und ihnen beim Aufbau eines neuen Lebens behilflich sein wollen. Und es gibt jene Leute, die nichts mit diesen Menschen zu tun haben wollen. Sie kämpfen demzufolge über Proteste für ihr Land. Für ihren Sozialstaat. Für eine Lösung die sie aber selbst nicht liefern können.

Wir sind nun in einer Zeit angekommen, wo wir uns fragen sollten, was wir nun tun können, was wir von der Situation halten sollen und wie die Zukunft aussehen wird. Früher, innerhalb und nach dem 2ten Weltkrieg, waren wir es bzw. unsere Vorfahren die zum Teil flüchteten und wiederum auch blieben und jene Städte wiederaufbauten, die wir nun bewohnen.

Die Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten und Deutscher aus Mittel- und Osteuropa während und nach Ende des Zweiten Weltkrieges von 1945 bis 1950 umfasst Flucht, Vertreibung und die erzwungene Auswanderung großer Teile der dort ansässigen deutschsprachigen Bevölkerungsgruppen. Sie betraf 12 bis 14 Millionen Deutsche in den Ostgebieten des Deutschen Reiches und deutschsprachige Bewohner aus Mittel- und Osteuropa. Sie war eine Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und Kriegsverbrechen in Ostmitteleuropa und Südosteuropa während der Zeit des Nationalsozialismus und der darauf folgenden Gebietsverluste. Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Flucht_und_Vertreibung_Deutscher_aus_Mittel-_und_Osteuropa_1945

Die Flucht gehört zum Krieg dazu, wie das Leid und der Tod.
Die Flucht ist etwas Menschliches und wohnt in jedem von uns.
Das einzige was uns unterscheidet ist der Auslöser der uns flüchten lässt.

Für mich persönlich ist Krieg ein definitives Kriterium um zu flüchten.

Ich bin kein Kämpfer an der Front. Ich falle nicht in die Kategorie Mensch, die eine Waffe in die Hand nimmt und einen anderen Menschen tötet. Ich würde wohl relativ schnell getötet werden. Obwohl ich nicht besonders gläubig bin, eher eine distanzierte Meinung zu Politik an sich habe und in meiner Freizeit auch beim Roten Kreuz tätig war und anderen Hilfsorganisationen (Debra Schmetterlingskinder, AIDS-Forschung, ICE-Bucket Challenge und vielen mehr) mit finanziellen Mitteln unter die Arme greife wann immer es geht. Mit meinem Geld. Zum Teil auch mit meiner Freizeit. Trotzdem wäre ich dem Tode geweiht, wenn in Österreich ein Krieg ausbrechen würde. Da ich mit Waffen nichts anfangen kann.

Dafür gibt es Frauen und Männer die sich damit identifizieren können und auch dafür trainiert wurden (Polizei und Bundesheer).

Warum so frage ich dich jetzt, sollte ich also Österreich im Falle eines Krieges nicht verlassen dürfen?
Muss ich dann meine Frau und meine Kinder fortschicken und zu Hause sitzen bis jemand kommt und mein Leben beendet?
Nur damit ich nicht vor einer fremden Grenze stehe und sich jeder 2ter dieser Bevölkerung fragt wieso ich denn vor ihm stehe und nicht lieber für mein Land kämpfe?

Warum also verlangen wir nun von all den (jungen) Männern, die mit dem Flüchtlingsstrom zu uns kommen, dass sie doch lieber umdrehen und für ihr Land kämpfen sollen?
Wer sind wir und welches Recht haben wir, dass wir die Entscheidung treffen können, dass wir Frauen und Kinder temporär aufnehmen, doch der Mann und Vater seine Familie im Stich lassen sollte? Wieso können wir fremde Menschen indirekt zum Tode verurteilen, sei es durch Hunger, Erschöpfung, durch eine Kugel oder durch eine Bombe ohne darüber nachzudenken wie wir uns entscheiden würden, wenn es dein Sohn, dein Ehemann oder dein Vater wäre?

Das ist kein Hollywoodfilm wo die Guten stets nur leicht verwundet werden und dann nach einem glorreichen Kampf nach Hause gehen und mit ihrer Familie spielen. Dies ist ein Krieg. Ein Krieg ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Krieg der gefördert wird von Waffen die auch aus Deutschland kommen. Ein Krieg der vielen Menschen ihr zuhause weggenommen hat und gegen ein Flüchtlingslager eingetauscht wurde.

Zaatari ist ein Flüchtlingslager im Norden Jordaniens, etwa 10 km östlich von Mafraq und sechs Kilometer südlich der syrischen Grenze. Es ist eines der weltgrößten Flüchtlingslager und entwickelt sich zu einer festen Siedlung. Inzwischen ist es Jordaniens viertgrößte Stadt. Seit Juli 2012 finden dort Menschen Zuflucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien; Schätzungen zufolge hat das Lager rund 150.000 Bewohner (war ursprünglich für 30.000 ausgelegt). Verantwortlich ist das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR. In Zaatari sind zahlreiche Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen tätig; Schulen wurden gebaut, ein Fußballplatz angelegt. Das deutsche Technische Hilfswerk kümmerte sich mit über 100 Mitarbeitern um Gemeinschaftsküchen, Abwasser und Toiletten. Die Kosten des Flüchtlingslagers betragen rund 500.000 US-Dollar am Tag. Die Gelder wurden Jahr für Jahr (unter anderem von der EU) reduziert.Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Zaatari

Wir sitzen hier bequem in unserem Sessel, haben eine Arbeit, verdienen Geld.
Wir können uns sehr vieles leisten… vieles das nicht geschätzt wird. Unsere Kinder wachsen mit Handys auf, die ab EUR 200,- starten. Nebenbei sind sie mit Xbox oder Playstation ausgestattet. Niemand muss sich Sorgen über Bildung oder medizinische Versorgung machen. Wir hätten sogar Geld um etwas zu verändern. Doch wieso sollten wir das tun? Vor der Flüchtlingskrise haben wir alles daran gesetzt Bettler aus unseren Städten zu bekommen. (Google „Bettelverbot Österreich“) – Jetzt haften wir uns Aussagen an die Brust ala „Bevor ich einem Flüchtling helfe, nehme ich lieber einen Bettler auf“. Dann tut doch wenigstens das!

Aber das Leid anderer hat uns doch noch nie gekümmert.

Unter der Haut sind wir alle Brüder, und ich wäre bereit der Menschheit die Haut abzuziehen um das zu beweisenAyn Rand
Welche fadenscheinigen Ausreden kommen da nach und nach ans Tageslicht. – „Unsere Pensionen werden immer mehr gekürzt“ und „Wer soll das bezahlen? Unser Staat hat ja jetzt schon kein Geld mehr für Sozialhilfe“ – Nur… diese Aussagen dominierten viele Wahlkampfe schon vor dieser aktuellen Thematik. Wer war damals schuld, wenn es jetzt die Flüchtlinge sind? Es waren die Banken. Es waren zum Teil auch Politiker die den Sozialtopf für andere Budgetlöcher nutzten. Es ist eine Grundeinstellung die solche Probleme und so ein Denken verursacht. Die Grundeinstellung nur in seinem kleinen Wohlfühlkreis zu denken und zu leben: „Solange sie mir nichts wegnehmen, geht mich das auch nichts an“ oder „Was soll man schon tun?“

Kein einziger Flüchtling nimmt uns irgendetwas weg.

Wer Verzückungen und Gesichter hat, wer Träume für Wirklichkeit nimmt und seine Einbildungen für Prophezeiungen, der ist Enthuiast. Wer aber seinen Wahn mit Mord verficht, der ist ein FanatikerVoltaire
Das ist absurd, zu glauben dass uns Flüchtlinge etwas wegnehmen. Das ist eine Lüge und eine geschürte Angst damit man einen anderen Sündenbock entstehen lassen kann, damit jene die wirklich das System kaputt machen, genauso weitermachen können wir zuvor. Und die meisten Bürgerinnen und Bürger schlucken diese Pille. Sie glauben dass, was ihnen vorgekaut wird. 1:1 werden Artikel in Zeitungen gelesen und für bahre Münze genommen. Nachrichten und deren Quellen nicht verifiziert. Nein… wir nehmen die Meinung an, die uns präsentiert wird. Und nebenbei machen wir uns lustig über die Propagandasysteme in China und Korea. Wenn es einen Sündenbück gibt, dann wird dieser ausgeschlachtet. Koste es, was es wolle. Gutmenschen und Helfer die einem Idealismus nachlaufen werden plötzlich geboren. Gehört man zu dieser Gruppe hat man grundsätzlich schon in jeder Diskussion verloren, da man ja sowieso nicht die Folgen begreift die andere schon längst kennen und ein apokalyptisches Szenario darstellen. Man wird angeprangert wenn man wie das Rote Kreuz freiwillig Menschen hilft.

Die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, entstanden aus dem Willen, den Verwundeten der Schlachtfelder unterschiedslos Hilfe zu leisten, bemüht sich in ihrer internationalen und nationalen Tätigkeit, menschliches Leiden überall und jederzeit zu verhüten und zu lindern. Sie ist bestrebt, Leben und Gesundheit zu schützen und der Würde des Menschen Achtung zu verschaffen. Sie fördert gegenseitiges Verständnis, Freundschaft, Zusammenarbeit und einen dauerhaften Frieden unter allen Völkern.Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichisches_Rotes_Kreuz

Die Wahrheit ist…

… es sind nicht die Flüchtlinge die flüchten.

Es sind all die Menschen die jetzt auf ihr Europa, ihr Deutschland und ihr Österreich pochen.
Auf ihre Grundwerte die ihnen so heilig sind, auf die sie aber in Wahrheit schon lange keinen Wert mehr legten.

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.Friedrich Nietzsche

Die katholische Kirche hatte lange Zeit nur noch den Nutzen die gesetzlichen Feiertage zu sichern, damit wir uns nicht nur von Wochenende zu Wochenende quälen müssen. Welches Kind oder zum Teil auch Erwachsene hat jemals das Neue Testament gelesen oder weiß was die zahlreichen kirchlichen Feiertage überhaupt bedeuten? Wer von den braven Kirchensteuerzahlern weiß, dass die Bibel nahezu genauso brutal geschrieben ist, wie der Koran dem sie nun verzweifelt gegenüberstehen? Wenn uns doch „unsere“ Kirche und Releigion so wichtig ist, warum wenden sich Jahr für Jahr immer mehr von derselbigen ab? (offizielle Zahlen zu den Kirchenaustritten unter www.katholisch.at/kirche/meldungen-zur-kirchenstatistik)

Es sind auch jene Menschen, die eine Frühpension anstreben weil sie nicht mehr arbeiten wollen und in der Vergangenheit mehr schlecht als Recht auf ihre Gesundheit achtetet und nun meinen die Pensionen sind nicht mehr gesichert und/oder unser Sozialsystem kollabiert. Jene Menschen die sich über eine Rezeptgebühr beschweren, wenn das Medikament in Wahrheit mehrere hunderte Euro kostet und wirkliche Hilfsbedürftige (Blinde, Behinderte, etc.) maximal bedauern und von dessen Kostenaufwand für Hilfsmittel keinerlei Ahnung haben.

Es sind wohl auch die Menschen, die jetzt noch sagen „Ich habe nichts zu verbergen“ und dann in spätestens 5 Jahren auf Datenschutz und ihr Recht pochen werden. Die sich dann verfolgt und abgehört fühlen und standfest die Meinung vertreten werden, dass uns irgendwer hätte warnen und dafür kämpfen müssen. Aktuell werde ich zum Beispiel lediglich belächelt dafür. Aber ich kenne im Gegensatz zu diesen Menschen die Auswirkungen über mangelnden Datenschutz. Über die Auswirkung wenn man sich über die Bekanntgabe von seinen Daten keinen Kopf macht. Und über den Aufwand, wenn man doch wieder die Kontrolle zurückgewinnen möchte.

Und ich habe in der Geschichte gelernt, was es für Auswirkungen hat, wenn man Mauern hochzieht. Wenn man Gewalt und Hass züchtet und immer mehr Öl ins Feuer gießt. Die Geschichte ist eine andauernde Wiederholung von denselben Fehlern der Menschheit. Wir sind gut darin, die Vergangenheit zu betrachten und all jene in dieser Zeit anzuprangern. Doch wenn wir jetzt in diesem Augenblick es besser machen könnten… dann drehen wir uns weg und wollen von all dem nichts wissen.

Doch ich drifte ab.

Hört auf zu flüchten!

Es ist schwer, gegen einen Feind zu kämpfen, der sich in deinem Kopf eingenistet hat.Sally Kempton
Jede Situation bringt eine Entscheidungswahl mit sich etwas richtig oder etwas falsch zu machen. Es ist nichts willkürlich. Und man muss nichts machtlos hinnehmen. Man muss sich nur für etwas entscheiden. Mit bestem Wissen (!) und Gewissen und dann dazu stehen. Kämpft für ein Land auf das man stolz sein kann. Kämpft gegen Korruption und Ausbeutung (FIFA, VW, TTIP, Datenschutz). Kämpft für jene Werte die euch und vor allem euren Kindern wichtig sind.

Es bieten sich so viele Themen an, die unberücksichtigt bleiben.
Wo man Menschen sieht die nur mit den Achseln zucken und meinen sie können eh nichts verändern. Um sich dann gegen Flüchtlinge zu stellen, die schon alles verloren haben. Um Angst um eine Zukunft zu haben, die es in der ganzen Geschichte noch nie gab. Um Propagandavideos zu liken und zu sharen. Um eine Politik zu verfluchen und bei einer Wahlmöglichkeit lieber im Bett zu liegen als seine Stimme abzugeben. Das sind die Themen die unser Leben verändern. Das sind die Dinge für die viele Menschen einstehen und oft hoffnungslose Kämpfe gegen große Konzerne, menschenunwürdige Bedingungen und korrupte Transaktionen führen. Oft allein… und nur belächelt.

Die Zukunft liegt in der Hand von jedem Einzelnen


Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:An_Aerial_View_of_the_Za’atri_Refugee_Camp.jpg

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