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Tagebuch des gläsernen Menschen – RonnyDee´s Blog
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Tagebuch des gläsernen Menschen

[dropcap]G[/dropcap]raz, Österreich – 13.06.2021
Wenn man so durch Graz spaziert, dann ist es wirklich schön. Überall Parks, gepflegte Gehsteige, bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten… einfach schön. Aber da gibt es doch so Dinge die einen anwidern. Seit neuestem kann man ja auf einfache Art und Weise sehen, was die Menschen so für Typen sind. Hinter dem ganzen Make-Up der Frauen verbergen sich ja tatsächlich richtige Furien, die ihre Kolleginnen mobben, mit dem Chef flirten und auch noch von ihm Geschenke erhalten damit sie brav die keusche Sekretärin spielen.

Aber auf dem Kontoauszug des Chefs kann man halt sehen, dass er erst vor 14 Tagen in der Nähe von dem 5-Sterne Hotel getankt bzw. 2 Nächte dort geschlafen hat. In einem Doppelzimmer… obwohls angeblich eine wichtige Firmenbesprechung war. Komischerweise war die Sekretärin dort auch in der Nähe… Facebook-Statusmeldungen mit Ortsangabe und Instagram-Fotos zeigen es ja der ganzen Welt.

[dropcap]D[/dropcap]a denkt man sich halt wie es der Familie daheim geht, die von all dem nichts weiß. Dann keimt kurz mal Mitleid auf, bis man sieht, dass „sie“ ohne Gewerbeanmeldung ihren früheren Job von daheim ausübt. Schwarz sozusagen. dann ist das Mitleid quasi nicht mehr so groß. Schon gar nicht, weil die Finanz das ja auch schon längst mitbekommen hat und die Strafanzeige bereits ausgearbeitet hat.

Die vernetzte Welt ist schon ein Segen. Zu jeder Zeit kann man nun einsehen, was wer tut und wann er tut bzw. tat. Früher durfte man das ja alles nicht speichern. Maximal für 6 Monate und auch da nur bestimmte Daten. Doch der Terror machte es möglich, dass man nun alles speichern darf. Und einsehen kann es jeder, der es irgendwie braucht. Ich wieß gar nicht, wie das eigentlich früher ging? Heute checke ich ganz schnell auf einer Party die anwesenden Gäste und weiß genau ob ich mit dem 34jährigen Typen spreche der rund EUR 260,- im Monat für Pornoseiten ausgibt, oder mit der Frau die bereits EUR 7.438,67 Schulden hat, weil sie alles kaufen muss was ihr gefällt. Allein letzten Monat hat sie bei Amazon um EUR 1.273,- eingekauft. Obwohl die blonde 26jährige mit dem roten Kleidchen schaut auch verdammt süß aus… aber HIV ist nicht so mein Ding. Also wird’s wohl wieder ein Abend wo ich allein nach Hause gehe.

[dropcap]V[/dropcap]iel kann ich mir eh auch nicht mehr leisten. Meine Versicherung hat ja seit meiner letzten Gesundenuntersuchung die monatlichen Beiträge schmerzlich erhöht. Dabei hat mir mein Arzt versichert, dass die Daten gewiss nicht einsehbar sind. Tja, mittlwerweile sollte ich es ja besser wissen. Und dass diese blöde Allergie solche horrenden Medikamentenausgaben verursacht, hätte ich mir auch nie gedacht. Aber he… in meiner Umgebung werden laut Google+ mehr als 200 Allergiker angezeigt. Vielleicht sollte ich mal Kontakt zu denen aufnehmen?

Aber dieser ganze Datenwahnsinn hat schon was Gutes. Die Polizei kennt meine Aktivitäten und schickt mir schon vorab eine SMS bezüglich der eingeschätzten Terrorwarnstufe für Orte die ich gerne besuche. Praktisch. Die kommen quasi 1h bevor ich überhaupt weiß, dass ich dorthin gehen will. Oder diese ganze Postwerbung die es früher gab… unnötige Zettel Tag für Tag. Heute kann ich mir aussuchen, ob diese personalisierte Werbung auf meinen Bildschirmen zu Hause durchläuft oder ca. 80 Mails pro Tag in mein Postfach zugestellt werden. Ich hab mich für die Bildschirmvariante entschieden. Ich mag das, wenn die Bildschirme automatisch angehen, sobald ich den Raum betrete und ausgehen, wenn ich ihn verlasse. Und wenn man ja ca. 200 Minuten pro Monat an Werbung konsumiert hat, bekommt man einen EUR 5,- für ein Produkt meiner Wahl. Cool, oder?

[dropcap]J[/dropcap]a, diese Datensammlung hat schon viel Positives. Nächste Woche wird ein App vorgestellt, dass mir auf den Tag genau mein Sterbedatum errechnen kann. Basierend auf allen gesundheitlichen, finanziellen und sozialen Aktivitäten die ich so mache. Live. Die Genauigkeit ist +/- 2 Stunden. Gehe ich z.B. eine Rauchen dann ändert sie App live das errechnete Sterbedatum. Ist das nicht praktisch? So kann man alle Aktivitäten die man noch so vor hat, bis auf den letzten Tag planen. Ich weiß gar nicht, wie die Leute das früher gemacht haben… wenn dass dann stets so plötzlich kam. Das mit dem Sterben…

Na ja… ein Gedankenschweif. – pieps – Und praktisch, es gibt sogar 4 empfohlene Bücher zum Thema „Sterben“. Da sag mal noch einer, dass diese ganze Datensammlung mittels Vorratsdaten ein Blödsinn war. Es ist ein Segen! – pieps – Ha, lustig… 34 Leute in meiner Umgebung suchten gerade nach „Segen“ und 12 davon gehen nächsten Sonntag in die Kirche die 1,2 Kilometer von mir entfernt ist. Laut Terminkalender hab ich da ja noch nichts vor. Ups… doch, der Kalender kennt den Termin schon.

Ja ja… so lässt sich´s leben.

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