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Brauchen wir Querulanten? Und wenn ja, wieso sind wir dann genervt? – RonnyDee´s Blog
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Brauchen wir Querulanten? Und wenn ja, wieso sind wir dann genervt?

„Als Querulant wurden ursprünglich in der Rechtsprechung Menschen bezeichnet, die trotz geringer Erfolgsaussicht besonders unbeirrbar und zäh einen Rechtskampf führen.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Querulant

Es werden immer mehr.
Querulanten. Stinkstiefel. Nicht-mit-dem-Strom-Schwimmer. Aussteiger. Die-das-System-boykottieren. Aufmüpfige. Und wie sie alle heißen mögen. Auch den Ausdruck “Hascherl” hatte ich in den vergangenen Stunden auf Facebook zu diesem Thema gelesen. Und auf Facebook liest man zur Zeit recht viel über diese „Sorte“ von Menschen. Egal ob es nun Anna Fenninger ist die sich gegen die Bevormundung des ÖSV stellt, Raif Badawi (Blogger) der seine Meinung zum Regime in Saudi-Arabien Luft gemacht hat (ja, da war mal was, gell? Er wird mittlerweile nach wie vor ausgepeitscht, nur interessieren tut´s niemanden mehr), gewöhnliche AUA-MitarbeiterInnen die eine gesetzliche Abschiebung verhindern indem sie die betroffene Person einfach nicht mit ihrem Flugzeug mitnehmen, Deutsche Bahn-, Post- und KiTa-MitarbeiterInnen die für eine gerechte Entlohnung streiken und so weiter und so fort…

Was soll das alles?
Geht es den Leuten etwas zu gut? Oder sind sie geil auf Aufmerksamkeit? Oder wollen sie einfach nur ihren Fussabdruck in der heutigen Zeit hinterlassen? Viele Meinungen auf den sozialen Netzwerken scheinen zumindest eine dieser Fragen als Denkmuster „erkannt“ zu haben und hinterlassen demzufolge einen Kommentar mit meist sehr faden Beigeschmack.

Doch ich gratuliere diesen Leuten
Nein, nicht den Kommentatoren die einfach nicht klar kommen mit Veränderungen und sich Tag ein Tag aus nur beschweren können. Ich gratuliere den Leuten, die den Strom verlassen. Die etwas Neues ausprobieren, neue Wege beschreiten wollen. Wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo stets nur ein Tropfen fehlt um eine Masse zu bewegen. Das kann man an den Reaktionen ganz klar erkennen und es beruhigt mich oft ungemein, wenn Menschen anstatt der Leier „Das war schon immer so“, plötzlich etwas bewegen und verändern wollen. Oft weiß man zwar nicht so genau, wohin die Reise gehen soll… ABER man weiß, dass es so wie es ist, nicht gut ist.

Und wenn man der Meinung ist, dass es Querulanten leicht haben, weil sie ja „ihren Kopf durchsetzen“, der war noch nie ein Querulant.

Es ist ganz und gar nicht leicht, eine andere Meinung zu haben. Das ist irgendwie noch viel komplizierter als eine „andere“ sexuelle Vorliebe zu haben. Denn der Sex wird meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgeübt. Das ist quasi jedem das seine. Aber eine andere Meinung ist nicht jedem das seine. Sie muss meist kundgetan, bewiesen, angefochten und vertreten werden. Denn sonst ist es ja keine Meinung. Sonst ist es eine Fahne im Wind. Einmal so und einmal so. Doch von Fahnen, vor Allem jene im Wind, haben viele Menschen bereits die Nase voll. Egal ob Politiker, egal ob Manager und mittlerweile auch ganz egal welche Religion oder welches Gesetz (welches (zur Erinnerung) ja beides von Menschen verfasst wurde).

Wieso sind wir dann so genervt von Querulanten?
Dazu habe ich eine Theorie: Der Mensch strebt nach Aufmerksamkeit. Egal wie alt er ist. Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass man dieses Streben durch entsprechende Leistungen ausgleicht und somit automatisch eine gewisse Portion Aufmerksamkeit erhält. Doch das sehen nicht alle so. Einige Menschen suchen sich ihre Portion Aufmerksamkeit durch andere „Leistungen“, wie sich z.B. sozial zu outen (peinliche Fotos, über alles und jeden beschweren, vieles Liken, usw.). Dabei erkennen diese speziellen Personen auch potentielle Aufmerksamkeitsträger (was Querulanten zwangsläufig sind, weil sie aus der Menge stechen) und machen sich demzufolge ihre Story eigen, indem sie ihre Meinung (die oft nicht positiv zu diesem Thema ist) dazu kundtun und weiter aufstacheln. Oft nicht mal konstruktiv.

Der Rest, auf die das oben beschrieben Muster nicht zutrifft, agiert anders. Entweder a) unterstützen sie den Querulanten, b) sie geben eine Objektive Meinung dazu ab oder c) sie ignorieren das Geschehen. ABER: Sie sind nicht genervt.

Wenn du also genervt von Querulanten bist, dann solltest du eventuell deinen Standpunkt prüfen. Vielleicht fehlen dir wichtige Informationen zum Thema oder du hast eine voreingenommene Meinung dazu. Doch wenn Querulanten dich nerven, dann treffen sie einen wunden Punkt an dir. Wenn dem nämlich nicht so wäre, dann würde Option C für dich in Frage kommen.

Interessante Theorie… beweise mal
In meinem Beruf bin ich als ein typischer Querulant bekannt. Ich stelle vieles, vor allem „lang bewehrtes“ grundsätzlich in Frage. Allerdings nicht ohne zumindest einen Verbesserungsvorschlag zu liefern. Nichts desto trotz, man eckt mit solchen Denkmustern an. Auch bei Kolleginnen und Kollegen die einen kennen sollten.

Wenn man nicht mit ihnen arbeitet und die ganze Aufmerksamkeit auf sich bzw. sein Projekt zieht, hört man Sätze wie „Wäre ich Chef, hätte ich dich schon rausgeschmissen“. Wenn man jedoch mit ihnen arbeitet, somit also auch das Team oder die Abteilung in den Fokus rückt, dann bekommt man ein Projekt und eine Unterstützung nach der nächsten. Meine Meinung hat plötzlich Gewicht. Obwohl das Denkmuster und das Handeln stets gleich geblieben ist.

Zwei verschiedene Emotionen, je nachdem ob man die Aufmerksamkeit von jemandem entzieht oder puscht. Interessant, nicht?

Nur… brauchen wir Querulanten?
Gegenfrage: Wer würde etwas ändern, wenn es die Querulanten nicht gebe würde? Wer hätte den Mut und das Streben Dinge weiterzuentwickeln, Abläufe zu ändern, Ideen umzusetzen, wenn es nicht diese Sorte von Menschen geben würde, die das tun obwohl sie damit kaum Lob ernten? Wir brauchen Querulanten. Sie haben unsere Verfassung mitgestaltet, sie haben in der Vergangenheit unser Recht verteidigt und sie haben auch Systeme aufgebaut die wir heutzutage als selbstverständlich ansehen. Denn sonst wären wir noch im Mittelalter. Bestenfalls. Mit Königin und König. Wo Adelige ihre Feste feiern und das Volk sich nach deren Gesetzen zu richten hat. Aber dort sind wir nicht (mehr).

Querulanten haben also unsere Welt so schön und fortschrittlich gemacht?
Möglich. Urteile doch selbst…

  • Malala Yousafzai
    berichtet seit Januar 2009, als sie elf Jahre alt war, auf einer Webseite der BBC in einem Blog-Tagebuch unter dem Pseudonym Gul Makai über Gewalttaten der pakistanischen Taliban im Swat-Tal. Überlebte ein Attentat aus nächster Nähe und erhielt den Friedensnobelpreis im Jahre 2014.
  • Steve Jobs
    hat massgeblich dazu beigetragen, dass der Computer bzw. mobile Geräte jenen Stellenwert haben, so wie wir sie kennen. Er sogar aus seiner eigenen Firma gefeuert und später wieder eingestellt um diese noch erfolgreicher zu machen, als sie ohne ihn war.
  • Jeder DDR-Bürger
    die ihre Stimme und ihren Unmut über die Politik und die Ausreisefreiheit kundgetan haben und somit die Mauer am 09.11.1989 zum Fall gebracht haben. Zitat im Video „Unruhestifter gehenlassen… aber, es waren zu viele“ – Somit war das der Anfang vom Ende
  • Nick Vujicic
    ein Querulant wenn es darum geht, sein Leben zu bedauern. Er kam ohne Beine und Arme auf die Welt und hält Motivationsreden ab.
  • Carl Benz
    der ohne seine Frau und seinen starken Willen, das Automobil niemals erfunden hätte. In einer Zeit wo jeder an die Zukunft des Pferds bzw. der Lokomotive glaubte, hat er unbestritten seine Vision; trotz zahlreicher Fehlschläge; weiterverfolgt und realisiert.
  • Rayk Anders
    der versucht mittels Facebook und YouTube eine Aufklärungsarbeit über; vor allem politische; aktuelle Themen in verständlicher Art und Weise zu leisten. Im Zuge seiner Aufklärungsarbeiten über Rassismus erhält er mittlerweile auch Morddrohungen.
  • Tugce A.
    jene junge Studentin, die im alter von 23 Jahren starb, weil sie Zivilcourage zeigte und zwei junge Mädchen vor Belästigungen durch eine Gruppe Männer geschützt hatte.
  • Nelson Mandela
    Aufgrund seiner Aktivitäten gegen die Politik in seiner Heimat wurde er von 1963 bis 1990 (27 Jahre) als politischer Gefangener ins Gefängnis gesteckt.

Und noch viele… sehr viele Menschen mehr.
Keiner der oben genannten Personen handelt so, wie es das System verlangte, oder wie es angenehm war. Jeder entschied sich für einen neuen Weg. Einer der verdammt hart war und mitunter keinen Lohn mit sich brachte. Aber jeder von ihnen hat die Welt zu dem gemacht, wie wir sie heute kennen und dabei Tausende, wenn nicht sogar Millionen Leute inspiriert.

Also um zur Eingangsfrage zurückzukommen: „Brauchen wir Querulanten?
Ja unbedingt. Nur so kann man etwas ändern, sich entwickeln und das Leben leben 🙂

 

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