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Vatertag – RonnyDee´s Blog
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Vatertag

Vor 10 Tagen war Vatertag.
Mehr kann ich dazu leider nicht sagen. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

Nicht etwa weil dieser Tag grundsätzlich nicht so hoch gefeiert wird wie der Muttertag, nein. Auch nicht weil Väter eventuell nicht so einen engen Bezug zu Kindern haben… Mir fällt deshalb nicht viel mehr dazu ein, weil ich diesen Tag nicht feiern kann. Es ist für mich ein Tag an dem ich stets an einen Menschen denke, der womöglich gar nicht weiß, dass zu diesem Zeitpunkt an ihn gedacht wird. Und Väter, die diesen Tag mit ihren Kindern feiern, die tun das dann als selbstverständlich ab: „Es wäre doch nicht nötig gewesen“ folgt wohl dem Satz „Jetzt ist aber gut, es ist ja nur ein Marketingtag, fast so wie Muttertag“.

Doch ist das wirklich so?

Ist es wirklich nur ein Tag der Geschäftemacherei und dem Herumblödeln mit dem Vater, den man eh die anderen 364 Tage hat. Es als selbstverständlich betrachtet, dass er einfach da ist? Oder ist es vielleicht ein Tag, an dem man sich kurz überlegen sollte, wie das Leben aussehen würde, wenn er nicht da wäre?

Die zweite Frage muss ich mir nie stellen.

Es ist eine Tatsache für mich, seitdem ich denken kann. Ich frage mich hingegen, wie mein Leben aussehen würde, wenn er da wäre. Eine ganz simple Situation und Frage, die sich viele Kinder (und Mütter) zum Glück nicht stellen müssen. Aus diesem Anlass heraus, habe ich mir vorgenommen einen Brief zu schreiben. Einen Brief an meinen Vater, den ich nicht kenne, der aber stellvertretend für alle Kinder sein soll.

In der Hoffnung dass mir das einigermaßen gelingt und man auch nachsichtig mit der Länge desselbigen ist, wünsche ich somit viel Ruhe beim Lesen:


Lieber Vater,

wenn ich wüsste wie man so einen Brief recht gut beginnt, dann ginge es mir besser. Doch die Wahrheit ist, dass ich nicht weiß, wie ich einen Brief an dich beginnen soll.

Ich könnte mich der Standardfloskeln bedienen und dich fragen, wie es dir denn so geht. Nur warum sollte ich dich so etwas fragen, wenn du ja nicht einmal weißt, wer ich bin? Ich würde deshalb meinen Brief gerne anders beginnen. So als würden wir uns schon ewig kennen. So als wärst du die ganzen Jahre für mich da gewesen. Als wärst du an meiner Seite gestanden als ich meine ersten Meter mit meinem Fahrrad erlebte, meine Schultüte in der ersten Klasse bekommen und meine erste schlechte Note mit nach Hause gebracht habe.

Jeder Moment, in dem du in meinen Gedanken für mich da warst, meine Hand gehalten und mir Hoffnung gegeben hast. Jeder Moment, an dem ich wusste, dass du auf mich stolz bist, weil ich etwas erreicht habe, das zuvor soviel Angst in mir ausgelöst hat, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Doch du hast an mich geglaubt und mir gezeigt dass ich dein Sohn bin und alles erreichen kann, was ich mir vornehme.

Werte, die zum Überleben notwendig sind, wie Respekt, Aufrichtigkeit und Liebe, hast du mich gelehrt und tief in mir verankert. Ohne diese Werte wäre ich heute ein anderer Mensch und könnte mir womöglich nicht einmal selbst in die Augen sehen. Doch dank dir kann ich das… jeden Tag aufs Neue. Ich bin jemand geworden, der dir ähnelt, der so vieles von dir hat und doch ganz individuell geworden ist. Ein Mensch, der froh darüber ist, dass es dich gibt und auf deine Stärke blickt ohne zu begreifen woher du selbst diese Energie nimmst.

Wenn du auch in der Vergangenheit so vieles ändern würdest und gerne öfter mich da gewesen wärst, so kann ich dir heute sagen, dass es gut war, wie es passiert ist. Du hast mich so vieles gelehrt wie es kein anderer Mensch hätte tun können. Heute, ja heute bin ich für viele Menschen ein Fels in der Brandung, der Essig im Salat und hin und wieder auch das Öl in der Pfanne. Um nichts in der Welt bereue ich das, was ich bin und vor allem nicht wer ich bin. Ich bin du und du bist ich.

Situationen ohne dich haben mich gestärkt, obwohl sie mich zur Verzweiflung brachten. Momente der Angst gaben mir Hoffnung, weil du an mich geglaubt hast. Erfolge gaben mir das Gefühl einer unendlichen Liebe von dir, Niederlagen die Chance es neu zu versuchen und aufzustehen. Aufzustehen und neu zu beginnen. Das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und an deiner Seite weiterzukämpfen.

Wir haben so viel erlebt, du hast mir soviel geschenkt und jede Situation, jeden Moment, den ich dir dafür schenken kann, schenke ich dir aus tiefstem Herzen und mit Stolz. Du begleitest mich von Tag zu Tag ohne dass du es weißt und gibts mir die Kraft, die ich benötige. Wenn auch so viele Tage hinter uns liegen, so bin ich froh, dass es dich gab und nach wie vor gibt. Dass du deine Zeit und Energie opferst, damit ich in meinem Leben vorwärts komme und jeden Tag als das ansehe, was er im Grunde genommen stets ist: Ein Geschenk. Ein Geschenk wie du.

Danke dass es dich gibt.
Danke dass ich sein darf.

Dein Sohn


PS: Dieser Brief ist zwar an meinen Vater gerichtet, doch alle Gedanken wurden niedergeschrieben als ich an meine Mutter gedacht habe, die wirklich stets für mich da war und beide Rollen übernommen hat. Ohne sie wäre ich nicht da, ohne sie würdet ihr mich nicht kennen. Ohne sie wäre so vieles anders…
Aus tiefstem Herzen, für meine Mutter.

photo credit: Gilzpics via photopin cc

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