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#stolzdrauf – RonnyDee´s Blog
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#stolzdrauf

Seit geraumer Zeit drängt sich mir immer ein Hashtag (#) mit dem Wort „stolzdrauf“ in meine Facebook Timeline. Anfangs dachte ich mir noch, dass Facebook mir endlich die gebührende Anerkennung übermittelt weil ich mich dort auch angemeldet habe und aktiv bin. Doch dann wurde es mir zuviel des Guten und ich klickte auch mal die damit verknüpften Beiträge an. Ja, die kann man anklicken… das Update quasi zum Liken und Teilen. Man klickt auf das Bild und dann wird man tatsächlich auf eine Art temporären Facebook Server umgeleitet wo es noch mehr Informationen und eventuell auch Bilder gibt.

Temporär deswegen, weil es die Programmierer von Facebook noch nicht geschafft haben, diesen Server wie Facebook aussehen zu lassen. Auch die Navigation auf diesem Server ist gänzlich anders als auf Facebook und ich habe sogar schon bemerkt, dass dies von Bild zu Bild; bzw. man sagt auch Link dazu; anders ist. Ein ganz komisches Verhalten, aber lasst euch davon nicht irritieren, man gewöhnt sich nach einiger Zeit daran.



Wie dem auch sei… auf diesem Server der durch ein Bild mit diesem #stolzdrauf-Hashtag verlinkt wurde, las ich Informationen über eine aktuelle Kampagne des Integrationsministers Sebastian Kurz. Und das Wort „kurz“ ist hier ganz richtig an dieser Stelle, denn ich las nicht kurz Informationen, sondern der Sebastian heißt mit Nachnamen Kurz. Wobei ich zugeben muss, dass die Informationen von Sebastian trotzdem irgendwie „kurz“ waren. Denn so richtig schlau wurde ich aus der Kampagne nicht. Ich habe eigentlich nur soviel heraus gefunden, dass erfolgreich integrierte „Ausländer“ (ich mag dieser Wort überhaupt nicht, möchte ich an dieser Stelle mal so erwähnen) einfach erzählen sollen, worauf sie in Österreich stolz sind und auch als Vermittler zwischen ÖsterreicherInnen und AusländerInnen dienen sollen.

Ich habs mir dann nochmal durchgelesen und trotzdem nicht kapiert.
Der Sinn der Kampagne ist nun was genau? Man sucht sich Leute, die etwas schön an Österreich finden und posten dann das Ganze mit dem Hashtag #stolzdrauf. Vorrangig ÖsterreicherInnen mit Migrationshintergrund, die den ÖsterreicherInnen die Augen öffnen sollen wie schön doch alles ist und das wir alle nur richtig kommunizieren müssen damit wir keine „Probleme“ haben. Klar… funktioniert ja auch in den Schulen wo SchülerInnen nach dem Unterricht mit der Lehrerin oder dem Lehrer in die nächste Bar gehen und auf die letzte Schularbeit trinken oder im Job wo wir nicht mit Kolleginnen und Kollegen unsere Kaffeepause und privatem Tratsch verbringen, sondern mit unserer Chefin oder dem Chef dessen Anweisungen wir noch vor 5 Minuten gar nicht verstanden haben, geschweige denn nachvollziehen konnten. Und obendrauf freuen wir uns jedes Mal aufs nach Hause kommen, weil wir von der flexiblen Inneneinrichtung überrascht werden, da wir doch im Gemeindebau mit allen Nachbarn alles teilen, sogar die Kloschüssel wenns drauf ankommt.

Ich weiß… ich kratze am Sarkasmus, doch sind wir uns ehrlich. So kann man doch keine (Grund)Werte aufbauen, oder?

Ich meine ein sinnbefreiter Hashtag namens #stolzdrauf, ein paar Webvideos und Texte drüber streuen und das soll dazu beitragen, dass wir als ÖsterreicherInnen und Österreicher uns mal grundsätzlich glücklich schätzen dürfen, dass wir in diesem Land leben? Das wir nicht jedes Mal über die Politik oder das Wetter schimpfen, weil es woanders gar keine Politik und/oder gar keinen Regen gibt? Diese Kampagne soll auch alle Vorurteile über Nicht-in-Österreich-geborene-aber-hier-lebende Menschen ändern? Ist die Erde denn überhaupt schon eine Kugel oder schon wieder eine Scheibe… denn das Niveau kommt mir hier doch sehr flach vor. Ist aber nicht böse gemeint.

STOLZ bin ich auf andere Dinge… auf meine eigene persönliche Entwicklung, auf meinen Hausverstand den ich auch zu gebrauchen weiß, auf meine Ansichten die meist ohne Vorurteile gefällt werden, da es mir egal ist woher ein Mensch kommt, an was er glaubt, welchen Sex er bevorzugt oder ob er geistig bzw. körperlich beeinträchtigt ist. Denn wenn ich so einiges in meiner Lebenszeit gelernt habe so ist es die Tatsache, dass jeder für sich… ohne Ausnahme, selbst verantwortlich für sein Leben und seine Situation ist. Er kann darüber klagen und jammern (das steht ihm ja auch zu) und er kann etwas ändern. Viele Menschen bleiben beim Jammern und Klagen. Es benötigt nicht so viel Kraft, wie die Entscheidung etwas zu ändern. Doch hat man diese getroffen und auch alle Kraft aufgebracht die man aufbringen kann, dann kann man auf das Geleistete stolz sein. Auf solche Dinge ist man dann auch stolz!

Nicht auf einen Berg, weil er zufällig in Österreich steht. Oder eine Autobahn weil ich der Meinung bin dass ich dieselbige mit meinen Steuergeldern finanziert habe (Zitat von Markus Unterladstätter (Musiker von Die jungen Zillertaler) in Pro und Contra – der PULS 4 News Talk vom 17.11.2014). Ich bin auch nicht stolz auf Künstler, Sportler, Wissenschaftler oder sonst wen in Österreich, da all diese Leute etwas tun; und sich dafür zu 100% entschieden haben; was sie am Besten können. Ich bewundere den einen oder anderen, aber ich bin nicht stolz drauf. Das wäre ja so, als wenn ich mir die Medaillen an die Brust hefte, für Dinge die ich nicht geleistet habe.

Aber vielleicht habe ich das auch alles falsch verstanden und somit lasse ich ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel die Kampagne kurz erklären:

Na worum gehts denn in dieser Kampagne? Es geht darum Menschen anzuregen sich darüber Gedanken zu machen, worauf sie in Österreich stolz sein können. Und auch Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man nicht in Österreich geboren sein muss, um sich hier heimisch fühlen zu können. Da sind einmal sehr sehr gute Aspekete; finde ich; dieser Kampagne.

Es wird kontroversell diskutiert, vor allem auch von Leuten die hier geboren sind und das ist vielleicht der eigentlich interessante Aspekt in dieser gesamten Diskussion, weil für mich war es immer klar, dass ich stolz bin auf Österreich. Warum das so kontroversell diskutiert wird, werden wir vielleicht heute erörtern.

Woran könnts liegen?

Aus verschiedensten Gründen… ich glaube dass vor allem der linke und der rechte Rand ein schlechtes Verständnis davon haben, was es bedeutet Heimatliebe zu empfinden und ich sehe das so dass ich stolz bin auf Österreich, stolz bin hier sein zu dürfen. Hier aufgewachsen zu sein und das ist ein schönes Gefühl, dass ich mir von niemanden nehmen lasse…

Aha… empfinde ich also keinen „Stolz“ dass es mir in meiner Lebenszeit in Österreich gut ging und ich etwas aus meinem Leben gemacht habe, nur weil ich mich persönlich nicht mit dieser Kampagne identifizieren kann, weil ich der Meinung bin dass das Thema hier gänzlich verfehlt wurde?!

Ich befürworte Aktivitäten, die Vorurteile zwischen Östereichern und Migranten oder Flüchtlingen abbauen… doch diesen Abbau von Vorurteilen initieren Menschen ganz von allein. Nämlich dann, wenn sie diese in die Tonne treten und sich neue Sichtweisen aneignen. Wenn sie erkennen, dass wir alle Menschen sind. Menschen mit eigenen Gefühlen, Sichtweisen und Denkmustern. Menschen mit Vorlieben und Abneigungen. Menschen mit Geschichten die nur die wenigesten nachvollziehen, aber die meisten kommentieren können. Wenn wir Menschen nicht klassifizieren, sondern akzeptieren. Egal ob links, rechts, mittig… oder sonst wo.

Leider trägt diese (wahrscheinlich sehr teure) Kampagne nicht allzu sehr dazu bei. Schade eigentlich… aber vielleicht lernt man ja etwas daraus. So wie die Vergangenheit uns schon so viele Beispiele für die Gegenwart und Zukunft liefert, um es eigentlich besser machen zu können.

PS: Und ich bin #stolzdrauf dass ich diese Gedanken soweit digitalisieren konnte, dass man es lesen kann. Schafft ich ja selbst nicht alle Tage 😉

photo credit: gynti_46 via photopin cc

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